Wifi 7 im Unternehmen: was in Deutschland wirklich ankommt
Wifi 7 ist da. Die Wi-Fi Alliance zertifiziert Geräte seit 2024, die Hersteller drucken Datenraten auf die Kartons, bei denen jede Glasfaserleitung blass wird. Wer heute Access Points für Büro, Halle oder Klinik beschafft, bekommt fast automatisch Wifi 7 angeboten. Die Frage ist nicht mehr, ob es kommt, sondern was davon in deinem Gebäude tatsächlich ankommt. Und da lohnt ein genauer Blick, denn ein Teil der Versprechen gilt in Deutschland nur mit Einschränkungen.
Was Wifi 7 neu mitbringt
Die Wi-Fi Alliance nennt für Wi-Fi CERTIFIED 7 fünf Kernfunktionen:
- 320-MHz-Kanäle im 6-GHz-Band, die laut Wi-Fi Alliance doppelten Durchsatz gegenüber Wifi 6 bringen.
- Multi-Link Operation (MLO): Ein Gerät kann mehrere Funkverbindungen gleichzeitig nutzen und den Verkehr zwischen ihnen verteilen.
- 4K-QAM: ein dichteres Modulationsverfahren, das laut Wi-Fi Alliance rund 20 Prozent höhere Übertragungsraten erreicht.
- Mehrere Ressourceneinheiten pro Gerät: Das Spektrum lässt sich flexibler aufteilen, auch wenn ein Teil eines Kanals gestört ist.
- 512 Compressed Block Ack: weniger Verwaltungsaufwand pro übertragener Datenmenge.
Wifi 7 arbeitet in allen drei Bändern, 2,4, 5 und 6 GHz. Die großen Zahlen stammen aber fast immer aus dem 6-GHz-Band mit 320 MHz Kanalbreite. Genau dort unterscheidet sich Deutschland deutlich von den USA.
Das 6-GHz-Band in Deutschland: 480 MHz statt 1.200 MHz
In Deutschland ist für WLAN im 6-GHz-Band der Bereich 5945 bis 6425 MHz freigegeben, also 480 MHz (Bundesnetzagentur, Verfügung 76/2025). In den USA sind es 5925 bis 7125 MHz, also 1.200 MHz.
Für die Kanalplanung heißt das: In 480 MHz passen 24 Kanäle mit 20 MHz, 6 mit 80 MHz, 3 mit 160 MHz und genau ein Kanal mit 320 MHz. Schon zwei Access Points nebeneinander mit 320 MHz teilen sich also denselben Kanal. Für ein einzelnes Labor kann das funktionieren, in einem Bürogebäude mit vielen Access Points nicht.
Ob Europa das obere 6-GHz-Band (6425 bis 7125 MHz) für WLAN öffnet, ist offen. Die EU-Kommission hat die CEPT Ende 2024 beauftragt, eine gemeinsame Nutzung mit dem Mobilfunk zu prüfen, der Abschlussbericht ist für Juli 2027 angesetzt. Planen solltest du heute mit dem, was freigegeben ist.
Die Leistungsgrenze: breiter heißt leiser
Der zweite Punkt wird in Datenblättern selten erwähnt. Ein Access Point im 6-GHz-Band darf in Deutschland nur in Innenräumen arbeiten (Low Power Indoor) und höchstens 23 dBm abstrahlen, mit maximal 10 dBm pro MHz. Die 23 dBm sind bei 20 MHz bereits ausgeschöpft. Jede breitere Kanalwahl verteilt dieselbe Leistung auf mehr Spektrum:
| Kanalbreite | Leistung pro MHz |
|---|---|
| 20 MHz | 10 dBm |
| 40 MHz | 7 dBm |
| 80 MHz | 4 dBm |
| 160 MHz | 1 dBm |
| 320 MHz | rund −2 dBm |
Gegenüber 20 MHz kommen bei 320 MHz also rund 12 dB weniger Signal pro MHz beim Endgerät an. Das Rauschen bleibt gleich, der Signal-Rausch-Abstand sinkt. Und genau den braucht 4K-QAM: Die höchste Modulationsstufe funktioniert nur bei sehr sauberem Signal, in der Praxis also nah am Access Point.
In den USA ist das anders geregelt. Dort wächst die erlaubte Gesamtleistung mit der Kanalbreite bis 30 dBm, der Signalabstand bleibt bei breiteren Kanälen gleich. Viele Testberichte und Herstellerangaben kommen aus diesem Umfeld. Für ein Gebäude in Deutschland sind sie nur bedingt übertragbar.
Was Wifi 7 für deine Planung bedeutet
Wifi 7 lohnt sich trotzdem, nur aus anderen Gründen als den Rekordzahlen.
Multi-Link bringt Stabilität. Kann ein Gerät gleichzeitig 5 und 6 GHz nutzen, fängt es Störungen auf einem Band über das andere ab. Für Sprach- und Videoanwendungen, Handscanner in der Halle oder Medizintechnik ist das oft wichtiger als die Spitzenrate.
Das 6-GHz-Band ist sauber, aber kurz. Im 6-GHz-Band funken nur neuere Geräte, alte Clients bremsen dort nicht mit. Dafür kommt das Signal schlechter durch Wände als bei 2,4 oder 5 GHz. Wer 6 GHz flächig nutzen will, braucht in der Regel mehr Access Points und eine Planung, die das berücksichtigt.
Kanalbreite ist eine Planungsentscheidung, keine Werkseinstellung. Mit 80 oder 160 MHz gibt es im deutschen 6-GHz-Band genug Kanäle für ein sauberes Muster über mehrere Access Points. 320 MHz bleibt die Ausnahme für einzelne Bereiche. Wie es im 5-GHz-Band mit dem Kanalvorrat aussieht, haben wir in unserem Beitrag zu DFS in Deutschland gezeigt.
Die Infrastruktur muss mitziehen. Mehr Durchsatz pro Access Point heißt: Uplinks mit mehr als 1 Gbit/s und Switches mit genug PoE-Budget prüfen, bevor die neuen Access Points montiert werden.
Messen statt raten
Ob Wifi 7 in deinem Gebäude hält, was der Karton verspricht, zeigt erst die Messung vor Ort. Wichtig sind dabei zwei Schritte:
- Vor dem Umbau die Dämpfung des Gebäudes im 6-GHz-Band messen. Wände, Brandschutztüren und Regale wirken dort stärker als bei 5 GHz. Diese Messdaten bleiben gültig, auch wenn später andere Access Points kommen.
- Nach dem Umbau das Ergebnis mit Messtechnik abnehmen, die 6 GHz und Wifi 7 erfasst, zum Beispiel mit dem Ekahau Sidekick 2 oder dem Hamina Clip.
Du willst wissen, wie gut dein Team auf Wifi 7 vorbereitet ist? Mach den WLAN-Wissenscheck. Oder lass uns dein Gebäude ausmessen und planen: Unsere WLAN-Dienstleistungen beginnen mit einer ehrlichen Erstberatung.
Wifi 7 sauber planen
Wir messen die Dämpfung deines Gebäudes im 6-GHz-Band und planen danach. Die Messdaten bleiben gültig, auch wenn später andere Access Points kommen.